Eine normale Wallbox lädt Strom aus dem Hausnetz in die Batterie eines Elektroautos. Beim bidirektionalen Laden kann die Energie zusätzlich in die andere Richtung fließen. Das Fahrzeug wird damit zeitweise zum Stromspeicher für Haus, Gebäude oder Stromnetz.
Bidirektionales Laden einfach erklärt
Beim normalen Laden fließt die Energie in eine Richtung: Stromnetz → Wallbox → Elektroauto. Beim bidirektionalen Laden ist auch der Rückweg möglich: Elektroauto → Haus oder Stromnetz.
Das funktioniert nur als abgestimmtes System. Fahrzeug, bidirektionales Ladegerät, Energiemanagement, Zähler und gegebenenfalls Stromtarif müssen zusammenpassen. Eine smarte oder PV-fähige Wallbox ist deshalb nicht automatisch bidirektional.
Was bedeuten V2H, V2B und V2G?
- V2H – Vehicle to Home: Das Elektroauto kann Energie für das eigene Haus bereitstellen.
- V2B – Vehicle to Building: Ein oder mehrere Fahrzeuge können ein Wohn- oder Gewerbegebäude unterstützen.
- V2G – Vehicle to Grid: Das Fahrzeug kann Energie kontrolliert in das öffentliche Stromnetz zurückspeisen.
Der Nutzer legt in einem passenden System fest, wann das Auto wieder fahrbereit sein muss und welcher Mindestladestand erhalten bleiben soll. Nur die darüber hinaus verfügbare Batteriekapazität wird genutzt.
Warum das Thema 2026 in Deutschland wichtiger wird
Bidirektionales Laden entwickelt sich vom Pilotprojekt zum marktfähigen Angebot. Volkswagen und Elli haben im Juni 2026 ein integriertes V2G-Paket für Deutschland vorgestellt. Es verbindet kompatible Fahrzeuge mit dem Elli BiDi Charger, einem passenden Stromtarif und einer App.
Beim derzeit beschriebenen System werden ausgewählte MEB-Fahrzeuge von Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge, CUPRA und schrittweise Škoda genannt. Entscheidend bleiben jedoch die konkrete Fahrzeugfreigabe, Softwareversion und Batterievariante. Auch privater Stellplatz, eigener Stromanschluss, Smart Meter und Tarif können Teil der Voraussetzungen sein.
Wichtig: Nicht jedes Elektroauto, nicht jede Softwareversion und nicht jede Wallbox unterstützt die Funktion. Vor einer Investition müssen Fahrzeug, Ladegerät, Netzanschluss, Messkonzept und Tarif gemeinsam geprüft werden.
Neue Förderung für Mehrparteienhäuser
Die Bundesregierung fördert 2026 private Ladeinfrastruktur in und an Mehrparteienhäusern. Je zu elektrifizierendem Stellplatz sind nach dem veröffentlichten Programm maximal 1.300 Euro ohne installierte Wallbox, 1.500 Euro mit Wallbox und 2.000 Euro mit einem bidirektionalen Ladepunkt vorgesehen.
- Die Ladeleistung pro Ladepunkt darf höchstens 22 kW betragen.
- Mindestens 20 Prozent der vorhandenen Stellplätze müssen vorverkabelt werden.
- Mindestens sechs Stellplätze müssen elektrifiziert werden.
- Für die regulären Zielgruppen ist die Antragstellung laut Bundesregierung bis 10. November 2026 möglich.
- Für Unternehmen mit großem Wohnungsbestand gilt im Wettbewerbsverfahren der 15. Oktober 2026.
Förderbedingungen können geändert oder Mittel ausgeschöpft werden. Vor Auftrag und Bestellung gelten immer die aktuellen Unterlagen der zuständigen deutschen Stelle.
Was sich bei Planung und Montage ändert
Eine bidirektionale Wallbox ist nicht einfach eine gewöhnliche Wallbox mit zusätzlicher Software. Je nach System können Gehäuse, Gewicht, Leistungselektronik, aktive Kühlung und Wartungsbedarf deutlich anders ausfallen. Die Planung sollte deshalb Platz für Technik, Kabelwege und spätere Wartung vorsehen.
- Abmessungen und Gewicht des konkreten Ladegeräts prüfen.
- Vorgeschriebene Luft- und Wartungsabstände des Herstellers freihalten.
- Kabelbögen, Steckerablage und Bedienbereich mitplanen.
- Fundament, Wand oder Standsäule auf die tatsächliche Last auslegen.
- Zähler, Energiemanagement und weitere Technik zugänglich halten.
Schutz, ohne die Technik einzuengen
Direkte Sonne, Niederschlag, Schmutz, Eis, lose Kabel und versehentliche Stöße bleiben auch bei modernen Ladegeräten praktische Themen. Eine Schutzlösung darf jedoch niemals Lüftungsöffnungen, Anschlüsse, Display, Entriegelung oder Wartungsbereiche blockieren.
Besonders bei bidirektionalen DC-Systemen ist eine enge oder vollständig geschlossene Verkleidung ohne technische Prüfung nicht sinnvoll. Die Schutzkonstruktion muss sich nach dem Ladegerät richten. Sie ergänzt die Installation, verändert aber weder die IP-Schutzart noch die Zulassung der Wallbox.
Welche VoltaCover-Lösung kann passen?
Für Wandinstallationen: Crystal Shell 360 verbindet einen offenen Frontschutz mit Kabelaufwicklung und Steckerhalter. Cover Plus bietet zusätzlich einen rückseitigen Technikraum für geeignete Leitungen und Installationsvorbereitungen.
Für freistehende Ladepunkte: Crystal Shell Station 360 ordnet Wallbox, Kabel und Stecker in einer Station. Wallbox Stand stellt mehr internen Technikraum bereit. Vela ist die schlankere architektonische Lösung mit oberer Abschirmung.
Die Kompatibilität muss immer für das konkrete Wallboxmodell geprüft werden. Das gilt bei großen, schweren oder aktiv gekühlten bidirektionalen Systemen in besonderem Maß.
Heute schon für morgen planen
Nicht jede heutige Installation muss sofort bidirektional werden. Sinnvoll ist jedoch, neue Ladeplätze so zu planen, dass eine spätere Umrüstung nicht an fehlendem Platz, ungeeigneten Kabelwegen oder einer zu kleinen Standsäule scheitert. Besonders bei Mehrparteienhäusern, Hotels, Unternehmen und gemeinsamen Parkflächen zählt deshalb nicht nur die heutige Wallbox, sondern die gesamte Ladeinfrastruktur.
Kompatibilität prüfen lassen
Für eine erste Prüfung genügen Hersteller und Modell der Wallbox, Außenmaße, ein Foto des Installationsorts und die Information, ob die Montage an einer Wand oder freistehend erfolgen soll. VoltaCover prüft daraufhin, welche Schutz- oder Standsäulenlösung zum geplanten Ladeplatz passt und welche Abstände vor der Bestellung noch kontrolliert werden müssen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesregierung: Förderung für Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern
- Elli und Volkswagen: Vehicle-to-Grid-Angebot für Deutschland
- Elli: Grundlagen zum bidirektionalen Laden
Stand der Informationen: 25. September 2026.